25.05.2010 | Matthias Felling

Mitmachen erlaubt

Durch die digitale Tonbearbeitung wird es immer einfacher, eigene Beiträge zu erstellen und zu veröffentlichen. Die grundsätzliche Idee, dass BürgerInnen am Rundfunk beteiligt werden, ist jedoch viel älter ...

Zu den Vordenkern der Bürgermedien in Deutschland zählt Bertolt Brecht, der Ende der 1920er Jahre selbst beim Radio tätig war. Brecht fordert in seiner Radiotheorie, dass aus dem Rundfunk ein Kommunikationsapparat mit Rückkanal gemacht wird, in dem der Zuhörer auch etwas sagen kann.

Bis diese Idee umgesetzt wurde hat es allerdings rund 50 Jahre gedauert. In den 1970er und 1980er Jahren gab es kritische Diskussionen über eine  "Kommerzialisierung" der Medien, gerade weil die privaten Sender auf den Markt drängten. Es gab Forderungen nach Partizipation der Bürger und dem Aufbau einer Gegenöffentlichkeit, freie Radios entstanden aber auch offene Kanäle im Fernsehen.

Heute gibt es bundesweit eine vielfältige Landschaft der Bürgerradios mit Sendezeit für Bürgerfunk im Privatradio, nichtkommerziellen Lokalradios, Ausbildungs- und Erprobungskanälen, Hochschulradios u.a. Die jeweiligen Formen der Bürgermedien sind von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Das Ziel der Bürgersender ist heute vor allem die Förderung der Medienkompetenz bei den RadiomacherInnen.

 

Digitale Revolution

Wo früher echtes Tonband zerschnitten und wieder zusammengeklebt wurde, gibt es heute digitale PC-Schnittplätze mit "Undo"-Funktion. Fast jeder gängige Computer kann heute mit der entsprechenden Software Audiomaterial bearbeiten. Auch professionelle Aufnahmegeräte werden immer günstiger und kleiner. Für die schnelle Tonaufnahme zwischendurch kann auch das Handy benutzt werden. Dabei wird kein Radiostandard erreicht, aber es gibt durchaus hörbare Ergebnisse.

Wer eigene Beiträge veröffentlichen möchte, kann dies neben den Sendeplätzen in den Bürgermedien auch über das Netz tun. Immer schnellere Internetverbindungen machen die Übertragung von Mediendaten möglich. In Zeiten von Web 2.0 spricht man vom "user generated content (UGC)", also von Inhalten, die Nutzer selbst produzieren und online stellen.

Mit der Digitalisierung gerät auch die bestehende Ordnung aus den Fugen. Denn Radioangebote werden heute nicht mehr nur über das UKW-Radio gehört, sondern auch über das Internet, als Podcast auf dem iPod oder über Satelliten. Eine Abschaltung der analogen Frequenzen ist schon länger im Gespräch, wird aber immer wieder verschoben, da der geplante Nachfolger DAB bislang wenig Freunde hat.

Podcast - werde dein eigener Sender

Das Wort Podcast ist aus zwei Begriffen zusammengesetzt: Pod (vom bekannten MP3-Player "iPod") und Broadcast (englisch für "Rundfunk"). Ein Podcast ist also "Radio für den MP3-Player". Die einzelnen Episoden eines Podcast werden als MP3-Dateien im Internet veröffentlicht. Das Besondere am Podcast ist, dass zusätzlich ein RSS-Feed online gestellt wird, um den Podcast zu abonnieren. Der Rechner erkennt dann automatisch, wenn eine neue Episode eines Podcasts veröffentlicht wurde und lädt sie herunter.

Inzwischen gibt es eine weltweite Podcastkultur mit sehr unterschiedlichen Angeboten. Es gibt Privatleute, die ihre persönlichen Geschichten erzählen, neben professionellen Angeboten von Radiosendern, die einzelne Beiträge oder Sendereihen als Podcast ins Netz stellen. Hinzu kommen viele Anbieter aus dem Bildungsbereich, bei denen der Podcast zum Baustein von eLearning wird. Wer zum Beispiel eine Sprache lernen oder auffrischen möchte, findet sehr viele Sprachlernpodcasts, die größtenteils kostenlos angeboten werden.

Vielfalt im Netz

Neben zahllosen Podcasts können inzwischen auch tausende Internetradios online gehört werden, die ein durchgehendes 24-Stunden Programm streamen. Fast alle UKW-Radio-Stationen bieten heute einen Stream an und sind so weltweit zu hören. Hinzu kommen reine Internetsender, die sich vor allem mit spezieller Musik an eigene Zielgruppen richten.

Wer in Deutschland ein Internetradio betreibt, muss GEMA-Gebühren für die ausgestrahlte Musik zahlen. Auch beim Kauf von CD-Rohlingen oder von Computern werden GEMA-Gebühren fällig, weil auf beiden Medien Musik gespeichert werden könnte. Deshalb ist es völlig legal, die Musik von Internetradios für den eigenen Bedarf auf dem heimischen Rechner zu speichern. Weitere Tipps zum rechtlich richtigen Umgang mit Musikdownloads bietet die Broschüre "Mu§ik im Netz – Runterladen ohne Reinfall" von klicksafe.

Viele Künstler und Autoren wollen ihre Werke im Internet kostenlos zur Verfügung stellen und mit anderen austauschen. Sie veröffentlichen ihre Arbeiten unter einer so genannten Creative Commons-Lizenz. Creative Commons ist eine gemeinnützige Organisation, die rechtsverbindliche Lizenzvereinbarungen zur Verfügung stellt. Mit wenigen Schritten können Künstler so ihre Musik, Filme, Texte oder Bilder schützen. Dann dürfen andere diese Werke kostenlos nutzen, müssen aber immer den Namen des Urhebers angeben.

Töne haben Zukunft

Das gute alte Medium Radio bleibt auch bei Jugendlichen beliebt. Allerdings wird das Radio zunehmend als Onlinemedium verstanden und nicht nur als herkömmliches UKW-Medium. Gleichzeitig haben immer mehr Kinder und Jugendliche einen eigenen MP3-Player bzw. ein MP3-fähiges Handy, um unterwegs ihre Musik zu hören.

Durch die technische Entwicklung gibt es vielfältige medienpädagogische Möglichkeiten, sich auf spannende Art und Weise mit Musik und Klängen zu beschäftigen. Das kann zum Beispiel in der Auseinandersetzung mit rechtlichen Aspekten geschehen oder in der Produktion und Verbreitung eigener Inhalte, zum Beispiel als Podcast oder in einem Radioprojekt. Je nach Bundesland bestehen verschiedene Angebote für praktische Radioarbeit. Die Technik ist dabei so einfach, dass schnell Themen im Vordergrund stehen.

Die handlungsorientierte Radioarbeit bietet eine niedrigschwellige Schnittstelle in jugendliche Lebenswelten. Für eine Radiosendung können globale, lokale oder ganz persönliche Themen behandelt werden, es braucht ReporterInnen, ModeratorInnen und TechnikerInnen, die Musik muss ausgewählt werden, vielleicht wird auch eine Geschichte geschrieben und als Hörspiel vertont. Bei all diesen Tätigkeiten können Jugendliche einbezogen werden. Sie entwickeln dabei ihre Medienkompetenz in verschiedenen Dimensionen. Und ganz nebenbei, macht Radiomachen jede Menge Spaß!

Weitere Informationen

>

Arbeitsgemeinschaft der Landesmedienanstalten (ALM)
Informationen über das Bürgerradio in den verschiedenen Bundesländern finden sich über die jeweiligen Landesmedienanstalten.

>

hoerfunker.de
Die Plattform der Bundeszentrale für politische Bildung setzt sich mit aktuellen Berichten kritisch mit der deutschen Radiolandschaft auseinander.

>

Deutsches Rundfunkarchiv
Auf den Seiten des Deutschen Rundfunkarchivs finden sich viele Hintergründe und Tonbeiträge zur Geschichte des Radios.

>

Connex – Infomagazin für Bürgermedien
Das Infomagazin vom Bildungszentrum BürgerMedien informiert über bundesweite Entwicklungen im Bereich der Bürgermedien.

>

Mu§ik im Netz: Runterladen ohne Reinfall
Die Broschüre der EU-Initiative klicksafe klärt über den rechtlich richtigen Umgang mit Musik im Netz auf und gibt Tipps, wie man auf legale Art und Weise an Musik kommt.

>

www.tauschnix.de
Das gemeinnützige Projekt TauschNix bietet eine legale Software zum Mitschneiden von Internetradiosendungen an.

>

Creative Commons
Creative Commons bietet Urhebern anhand vorgefertigter, international gültiger Lizenzverträge Hilfestellungen für die Veröffentlichung und Verbreitung ihrer kreativen Medieninhalte.

>

www.irights.info
Die mehrfach ausgezeichnete Internetseite bietet verständliche Infos zum Urheberrecht in der digitalen Welt.

>

Freie Musik im Netz
In der Broschüre der LAG Lokale Medienarbeit NRW finden sich viele Infos und Links zu freier Musik und Soundarchiven im Netz.

>

www.netzcheckers.de
Die netzcheckers bieten viele praktische Tipps und Tools zur Arbeit mit auditiven Medien, beispielsweise die "Podcastbox" für eigene Podcastproduktionen.

>

www.podcast.de
Auf diesem werbefinanzierten großen Podcastportal finden sich Hunderte aktueller Podcastangebote in deutscher Sprache.

>

Radiobücher bei kopaed
Es gibt viele professionelle Bücher zum Thema Radio von verschiedenen Verlagen. Beim kopaed-Verlag gibt es einige Angebote zur Radioarbeit mit Jugendlichen.

Der Autor

Matthias Felling ist Journalist und Medienpädagoge und arbeitet unter anderem bei www.handysektor.de

 
 
Dossier