26.08.2010 | PM bpb/Redaktion
Neonazis immer offensiver im Netz
Die Zahl rechtsextremer Webinhalte hat im vergangenen Jahr weiter zugenommen. Mehr als 1.870 Websites aus der Szene und mehrere Tausend rechtsextreme Beiträge in Communitys wie Facebook und auf Videoplattfomen wie YouTube zählte die gemeinsame Stelle der Bundesländer.

Zur rassistischen Gewalt anstachelnde Liedtexte werden derzeit als Gutenachtgeschichten für Kinder im Internet verbreitet. Zur Melodie von Schlaf- und Kinderliedern wird darin der Holocaust geleugnet und zum Mord an Juden und Schwarzen aufgerufen. Auf die Neonaziblogs und Downloadplattformen greifen täglich bis zu 10.000 User zu. "Damit solche Hasstiraden nicht auf fruchtbaren Boden fallen, müssen ihnen Behörden, Internetdienste und Communitys gemeinsam entgegentreten." Das forderte Stefan Glaser, Leiter des Bereichs Rechtsextremismus von jugendschutz.net, bei der Vorstellung des aktuellen Berichts der zentralen Kontrollstelle für den Jugendschutz im Internet.
Bildung von Netzwerken
Neonazis vernetzen sich im Internet immer stärker über eigene Communitys, um sich ungestört über rechtsextremes Gedankengut auszutauschen und rassistische Aktionen vorzubereiten: Über 90 neonazistische Netzwerke dokumentierte jugendschutz.net 2009. Damit hat sich deren Zahl innerhalb eines Jahres fast verdreifacht. Auch die Zahl der NPD-Angebote stieg um knapp 30 Prozent von 190 auf 242.
Löschung unzulässiger Inhalte
jugendschutz.net erreicht in vier von fünf Fällen, dass unzulässige Inhalte gelöscht werden. In Communitys und auf Videoplattformen machen jedoch die Masse an nutzergenerierten Inhalten und die Multinationalität der Plattformen eine Kontrolle schwierig – Maßnahmen der Betreiber greifen in vielen Fällen zu kurz: In Deutschland reagieren diese zwar, wenn jugendschutz.net um die Entfernung unzulässiger Beiträge bittet. Die Inhalte sind jedoch von ausländischen Servern weiter zugänglich und werden oft erneut hochgeladen.
Facebook, YouTube und Co.
Da immer mehr Kinder und Jugendliche Web 2.0-Plattformen nutzen, verlangte Stefan Glaser von deren Betreibern, mehr in die Sicherheit ihrer Dienste zu investieren: "Facebook, YouTube und Co. müssen wesentlich mehr technische und personelle Mittel einsetzen, um junge User auf ihren Plattformen effektiv vor solchen Hassinhalten zu schützen."
Video-Clip "Wir sind online. Damit Neonazis offline gehen"
Wie sich die Propaganda von Neonazis erkennen lässt und was Einzelne dagegen tun können, zeigt der Video-Clip "Wir sind online. Damit Neonazis offline gehen" bei YouTube, der gemeinsam von jugendschutz.net und der Online-Beratung gegen Rechtsextremismus entwickelt worden ist.
Weitere Informationen
 | www.jugendschutz.net Bei der Hotline von jugendschutz.net können problematische Internetinhalte – auch anonym – gemeldet werden. |
 | www.gegen-vergessen.de Die Online-Beratung des Vereins Gegen Vergessen – Für Demokratie berät Menschen, die in ihrem persönlichen Umfeld mit Rechtsextremismus konfrontiert sind, per E-Mail, Einzel- und Gruppenchat. |
(Bildnachweis: © panthermedia/Tobias Ott)