27.08.2010 | PM IZA/Redaktion
Modellversuch zu anonymisierten Bewerbungen
Das Institut zur Zukunft der Arbeit (IZA) in Bonn hat eine Expertise in Kooperation mit der Antidiskriminierungsstelle des Bundes (ADS) zu anonymisierten Bewerbungsverfahren veröffentlicht.

Mit Blick auf das im Herbst dieses Jahres startende zwölfmonatige Modellprojekt der ADS analysiert die Expertise "Anonymisierte Bewerbungsverfahren" die bisherigen internationalen Erfahrungen mit derartigen Verfahren und gibt auf dieser Grundlage konkrete Handlungsempfehlungen. "Die Durchführung dieses Modellprojektes ist äußerst sinnvoll. Zum einen, um mehr über die Effektivität und Praktikabilität von anonymisierten Bewerbungsverfahren in Erfahrung zu bringen, und zweitens, um diesbezüglich ein Umdenken bei den Unternehmen hervorzurufen. Denn letztlich liegt es im eigenen Interesse jedes Unternehmens, offene Stellen mit den fähigsten Personen zu besetzen – unabhängig von etwaigen Vorlieben oder Vorurteilen der Personalverantwortlichen", so IZA-Direktor Klaus F. Zimmermann zum Hintergrund des Projekts.
Handlungsempfehlungen der Expertise
Die beteiligten Wissenschaftler an der IZA-Expertise empfehlen in ihrer Studie unter anderem, ein standardisiertes Bewerbungsformular zu entwerfen, um den Zeitaufwand für das Anonymisieren herkömmlicher Bewerbungen möglichst gering zu halten. Das Formular soll nur Informationen zu den relevanten Qualifikationen enthalten und den Bewerbenden auf geeignete Weise zur Verfügung gestellt werden. Bei Online-Bewerbungen reicht eine entsprechende Anpassung der Eingabemaske aus.
Pilotprojekt der Antidiskriminierungsstelle
Am Pilotprojekt der ADS wird sich die Deutsche Post, die Deutsche Telekom, das Kosmetikunternehmen L'Oréal, der Erlebnisgeschenkdienstleister MYDAYS und der Konsumgüterkonzern Procter & Gamble beteiligen. Wie ADS-Leiterin Christine Lüders in Berlin bekannt gab, werden die beteiligten Unternehmen ein Jahr lang Bewerbungen ohne Foto, Name, Alter, Geschlecht, Nationalität, Geburtsort, Familienstand und Angabe einer etwaigen Behinderung testen. "Wir sind stolz darauf, dass sich fünf große Unternehmen und das Bundesfamilienministerium an unserem Pilotprojekt beteiligen. Es handelt sich um namhafte Firmen und Institutionen, die für die Themen Antidiskriminierung und Chancengleichheit seit langem sehr aufgeschlossen sind. Ich bin fest davon überzeugt, dass wir mit den Ergebnissen unseres Pilotversuchs weitere Unternehmen von den Vorteilen von Vielfalt und Diskriminierungsfreiheit überzeugen können", so die ADS-Leiterin Lüders.
Weitere Informationen
 | www.iza.org Hier können Sie die Expertise "Anonymisierte Bewerbungsverfahren" des IZA in Kooperation mit der ADS downloaden. |
 | www.iza.org Hier können Sie eine Kurzfassung der Expertise "Anonymisierte Bewerbungsverfahren" downloaden. |
 | www.iza.org Über diesen Link gelangen Sie auf die Website des Instituts zur Zukunft der Arbeit. |