25.08.2010 | PM Universität Mannheim/Redaktion
Hohe Bildungsmotivation bei türkischen Familien
Bei gleichen Leistungen und vergleichbarem sozialen Hintergrund wechseln türkische Grundschulkinder häufiger auf höhere Schularten als deutschstämmige. Dies belegen Forschungsergebnisse des Soziologen Dr. Jörg Dollmann vom Mannheimer Zentrum für Europäische Sozialforschung (MZES).

Die Bildungssituation vieler türkischer Kinder in Deutschland ist nach wie vor schlecht. An Haupt- und Sonderschulen sind sie überrepräsentiert, nur relativ wenige schaffen dagegen den Sprung auf das Gymnasium. Die Motivation der türkischen Bevölkerungsgruppe ist dafür allerdings nicht verantwortlich. Zu diesem Ergebnis kam der Soziologe Dr. Jörg Dollmann, der in seiner Doktorarbeit das Entscheidungsverhalten türkischstämmiger Kinder am ersten Bildungsübergang untersuchte. Für seine Untersuchungen verwendete er Daten des MZES-Projekts "Bildungsentscheidungen in Migrantenfamilien" unter Leitung von Prof. Dr. Hartmut Esser. An den Befragungen, die zwischen 2005 und 2007 an insgesamt 98 Kölner Grundschulen durchgeführt wurden, nahmen 1376 türkischstämmige Kinder und Kinder ohne Migrationshintergrund sowie deren Eltern teil.
Entscheidungsverhalten am ersten Bildungsübergang
Das Entscheidungsverhalten am ersten Bildungsübergang nach der Grundschule ist besonders richtungweisend. "Oft werden an dieser Schnittstelle schon die Weichen für die gesamte Bildungskarriere und damit auch für die Berufsaussichten gestellt", betont Dollmann. "Mich hat interessiert, ob Türken aufgrund ihrer allgemein oft schlechteren Bildungssituation auch zurückhaltendere Bildungsentscheidungen treffen. Damit würden sie ihre bestehenden Nachteile selbst noch verstärken. Das ist aber nicht der Fall, ganz im Gegenteil. Der Bildungsanspruch ist in den türkischen Familien höher, dies wirkt bestehenden Defiziten also entgegen."
Verantwortlich für das insgesamt dennoch schlechtere Abschneiden der türkischen Schulkinder am ersten Bildungsübergang ist nach Aussage des Soziologen insbesondere die nachteiligere Kompetenzentwicklung in den ersten Schuljahren sowie die ungünstigere soziale Situation der Kinder. Dazu zählen beispielsweise das Bildungsniveau der Eltern und der sozioökonomische Status der Familien.
Belege für Diskriminierung türkischer Kinder fand Dollmann in seiner Studie nicht. So hängen die Bildungsempfehlungen der Lehrkräfte für oder gegen den Besuch einer höheren Schulart bei allen Kindern gleichermaßen von der schulischen Leistung und der sozialen Herkunft der Kinder ab. Die Schulnoten wiederum entsprechen den für die Studie durchgeführten Kompetenztests. Ein diskriminierender Zusammenhang mit der ethnischen Herkunft konnte nicht festgestellt werden.
Weitere Informationen
 | www.mzes.uni-mannheim.de Über diesen Link gelangen Sie zur Website des Mannheimer Zentrums für Europäische Sozialforschung (MZES). |
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