04.09.2009 | Wolfgang Schmitt-Kölzer

Lernsoftware "Gewaltfrei leben und arbeiten"

Die Lernsoftware beschäftigt sich mit einem brisanten und zugleich aktuellen Thema. Sie richtet sich an Ausbilder/innen, Lehrer/innen und Sozialpädagog/innen, die Jugendliche mit besonderem Förderbedarf ausbilden und betreuen. Sie ist aber auch für alle interessant, die sich für die Themen Jugendgewalt und Gewaltprävention interessieren.

Bei der multimedialen Lernsoftware "Gewaltfrei leben und arbeiten" handelt es sich um ein weiteres Produkt aus der Reihe "Fortbildung OnLine", die vom "heidelberger institut beruf und arbeit" (hiba Gmbh) im Rahmen des Programms "Kompetenzen fördern - Berufliche Qualifizierung für Zielgruppen mit besonderem Förderbedarf (BQF)" des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) entwickelt worden ist.


Lernziele und Inhalte

Das Lernprogramm  beschäftigt sich umfassend mit dem Thema Gewaltprävention. Die Nutzer werden für das Phänomen Gewalt im Jugendalter sensibilisiert und lernen damit die im Zusammenhang mit jugendlicher Gewalt relevanten Problemfelder im betrieblichen, schulischen und persönlichen Umfeld kennen. Sie können sich darüber hinaus einen Überblick über das Lebensumfeld von Jugendlichen verschaffen und Einzelheiten über die sich daraus abgeleiteten möglichen Ursachen, Lösungsansätze und juristischen Aspekte erfahren. Last not least finden sie konkrete Hinweise für den Umgang mit aggressiven und potenziell gewalttätigen Jugendlichen.

Den beiden Autorinnen, die unter anderem auch im Vorstand des Projektes "Zertifizierung von Maßnahmen zur Drogenfreiheit an Schulen" in Oberursel tätig sind, gelingt es, die komplexen Zusammenhänge in verständlicher Sprache zu präsentieren. Grafiken und Fotos lockern die Texte auf. Auflockerung und Vertiefung der Inhalte sind auch die Funktionen von Sprechtexten, die entweder automatisch beginnen oder nach Bedarf gestartet werden können.

Die Lernsoftware ist in zwei große Bereiche untergliedert. Im ersten Teil werden die Ursachen und Erscheinungsformen von Gewalt sowie Bedingungen für deren Entstehen untersucht. Ein Streifzug durch die Lebenswelt der Jugendlichen (sowohl von Jungen als von Mädchen) soll die Hintergründe verstehbar machen. Es werden gesellschaftliche, individualpsychologische und Rollenaspekte untersucht. Im zweiten Teil werden – darauf aufbauend – konkrete Lösungs- und Handlungsstrategien im Umgang mit Gewalt entwickelt. Zudem verweisen die Autorinnen auf professionelle Unterstützungsangebote in einem sich entwickelnden Netzwerk.

Die Bearbeitungszeit für das Lernprogramm beträgt je nach Lerntempo etwa 6-10 Stunden.

Kapitelübersicht

Das Lernprogramm besteht aus sieben Kapiteln, die im Überblick vorgestellt werden:

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Erscheinungsformen und Eskalationsstufen

Behandelt werden die Themen alltägliche Regelverstöße, Verbalaggression, Mobbing und Bullying, physische Aggression, Erpressung, Schulwegproblematik, sexualisierte Gewalt.

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Entstehung von Aggressivität und gewalttätigem Verhalten

Dieses Kapitel widmet sich den Risikofaktoren, die aggressives Verhalten begünstigen können: prä- und perinatale Faktoren, familiäre Bedingungen, soziale Rahmenbedingungen, Integrationsproblematik, Peergroups, Einflüsse der Medien, Drogen und Alkohol.

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Streifzug in die Lebenswelt Jugendlicher

Die Lernenden sollen die Hintergründe für jugendliche Gewalt besser verstehen: Entwicklungsaufgaben, Suche nach dem eigenen Weg, das Abgrenzungsdilemma, Suche nach Nervenkitzel, die Gefühlswelt der Täter, Computerspiele und Internet, geschlechterspezifische Aspekte – spezielle Ziele in der Arbeit mit Jungen und Mädchen, Jugendszenen und Gewalt.

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Lösungsstrategien bei Mobbing und ein Überblick über die Grundlagen von Konfliktmanagement

In diesem Kapitel, das den zweiten Teil des Lernprogramms einleitet, werden zunächst einige sozialpsychologische Zusammenhänge zu den Themen "Konflikte" und "Eskalation" erläutert. Weitere Themen beschäftigen sich mit Gesprächsführung, Deeskalation, Zivilcourage, Richtiges Verhalten in Akutsituationen, "nicht selber Opfer werden", Peer-Mediation, Schulvereinbarungen und Normverdeutlichung.

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Gewaltprävention allgemein

Nach der Vorstellung von Präventionskonzepten werden konkrete Strategien erläutert: Stärkung der Persönlichkeit und der Sozialkompetenz, Förderung von Empathie, Stärkung von Kommunikationsfähigkeit, Erlebnispädagogik, Elternarbeit, Selbstbehauptungs- und Selbstverteidigungskurse, Soziales Lernen als Programm.

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Juristische Aspekte bei Regelverletzungen

In diesem Kapitel werden eine Fülle von juristischen Fragen beleuchtet, angefangen von Jugendrecht und Jugendstrafe über Durchsuchung von Personen und Beschlagnahmung, die rechtliche Situation von verantwortlichen Erwachsenen, Täter-Opfer-Ausgleich, Schwänzen der Ausbildung, Erpressung, Waffen bis hin zum Thema Sanktionen.

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Effektive Wege zu professioneller Hilfe

Hier geht es um Hilfsangebote und Vernetzung mit sozialen Diensten und der Jugendhilfe, die Aufgaben der Beratungsstellen und der kommunalen Gewaltprävention werden vorgestellt.

Einsatzmöglichkeiten

Das multimediale Lernprogramm eignet sich zur individuellen Beschäftigung mit dem Thema Jugendgewalt im Sinne einer Einführung sowie der Vorstellung von Lösungs- und Handlungsstrategien. Das Programm kann in diesem Sinne zur Vorbereitung oder zur Nachbereitung eines Fortbildungs-Seminars, einer Teamberatung oder einer Supervision genutzt werden.

Da die Lernsoftware als Web-Based-Training programmiert ist, ergeben sich weitere sinnvolle Anwendungsmöglichkeiten vernetzten Lernens der Akteure in Form eines Online-Seminars auf einer Internet-Plattform. Auch Blended-Learning-Szenarien mit Präsenz- und Online-Phasen – möglicherweise mit der Einbindung von Expert(-inn)en - wären bei diesem Thema sinnvoll. Dafür sollten etwa sechs bis acht Wochen Zeit eingeplant werden.

Kurzinformation

TitelGewaltfrei leben und arbeiten
AutorinnenUlla Rahn-Huber, Gertrud Rönnebrinck
Bezughiba-Verlag
Preis19,90 Euro
Technische VoraussetzungenPC, mindestens Pentium III mit 64 MB RAM bzw. 128 MB RAM (Windows XP),
Grafikkarte mit High-Color (16-bit), optimale Auflösung 1024 x 768, Soundkarte, Lautsprecher und/oder Kopfhörer, Browser, Acrobat Reader.

Fazit

Die Software ist sehr empfehlenswert. Sie überzeugt durch die Fülle an Informationen über relevante Problemfelder jugendlicher Gewalt und der Gewaltprävention. Es ist ein umfassendes Kompendium entstanden, das alle Aspekte des Themas beleuchtet. Auch hat mir gefallen, dass die beiden Autorinnen sowohl spezielle Ziele in der Arbeit mit Jungen als auch in der Arbeit mit Mädchen vorstellen. Praxis- und lebensweltbezogen sind die Lösungsstrategien für den alltäglichen Umgang mit Gewalt. Allerdings sind manche Seiten stark textlastig. Die Wissens- und Reflexionsfragen hätten umfangreicher ausfallen können, um die Lernenden stärker einzubinden. Die Bearbeitung von Fallbeispielen könnte Gegenstand begleitender Präsenzveranstaltungen sein.

Der Autor

Wolfgang Schmitt-Kölzer ist Lehrer und Erwachsenenbildner und seit 1987 in der außerschulischen beruflichen Bildung in Wittlich (Rheinland-Pfalz) tätig.

 
 
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