12.11.2008 | Wolfgang Schmitt-Kölzer
BAUWAS
BAUWAS ist ein bewährtes Medienpaket für die Entwicklung von Raumvorstellung. Dazu gehören ein Karteikartensystem, eine Sammlung von Holz-Würfeln, ausführliche Handbücher sowie das PC-Programm gleichen Namens. Seit Kurzem gibt es die Version 5.1.
BAUWAS ist am Berliner Landesinstitut für Schule und Medien (LISUM) von einer interdisziplinären Arbeitsgruppe von Pädagogen und Informatikern unter der Leitung von Dr. Helmut Meschenmoser entwickelt worden. Zum Medienpaket gehören ein Karteikartensystem, eine Sammlung von Holz-Würfeln, ausführliche Handbücher sowie das PC-Programm gleichen Namens. Für die Entwickler ist Raumvorstellung eine grundlegende "überfachliche" Fähigkeit, die für die Erschließung vieler Lebensbereiche erforderlich ist. Räumliches Vorstellungsvermögen ist demnach die Fähigkeit, um im zwei- und dreidimensionalen Raum handeln zu können. Im Bereich der Berufsvorbereitung fördert der Einsatz von BAUWAS räumliche Orientierung und räumliches Denken und kann auf das spätere Berufsschulfach "Technische Kommunikation", aber natürlich auch auf den betrieblichen Alltag vorbereiten. Durch die Einübung des Umgangs mit Koordinatensystemen kann BAUWAS auch auf eine spätere Ausbildung an computergesteuerten Maschinen vorbereiten.
Inhalte und Gestaltung
Körper aus Würfeln konstruieren
BAUWAS bietet die Möglichkeit, per Mausklick komplexe Körper aus Würfeln zu konstruieren. Dabei ermöglicht das integrierte Feature der Zwei-Fenster-Technik, die Körper sowohl zweidimensional (in der 3-Seiten-Darstellung) als auch dreidimensional darzustellen. Das Besondere an der Software besteht darin, die beiden Ebenen zu verknüpfen. Somit kann sowohl die mentale Transformation von 3D-Darstellungen in 2D-Darstellungen als auch umgekehrt betrachtet und geübt werden. Um dieses Training zu erleichtern, sind 100 fertige Beispielkörper in das Programm integriert.
Die Grundfunktionen des Programms
Beim Erstellen einer neuen Datei ist es zunächst erforderlich, die Raumgröße, das heißt die maximal mögliche Anzahl der Würfel in einem dreiachsigen Koordinatensystem festzulegen. Ein Körper kann maximal 10x10x10 Würfel aufnehmen. Nach dieser Festlegung erscheint im Desktop das Koordinatenkreuz sowie die Grundfläche im eingestellten Raster. Nun kann ein Körper gebaut werden. Dies geschieht auf verschiedenen Wegen:
 | Der Cursor, der die Form eines Baukrans hat, wird auf eine bestimmte Stelle bewegt, mit der linken Maustaste wird ein Würfel eingebaut, mit der rechten wieder entfernt. Der entstehende Körper wird dreidimensional dargestellt. Die räumliche Wirkung des Körpers wird durch Einfärbung der Flächen des Würfels verstärkt. |
 | Auch mit Hilfe von Steuerknöpfen mit Richtungspfeilen können die einzelnen Würfel positioniert werden. |
 | Die Eingabe von Koordinatenwerten ist die dritte Variante, einen Würfel zu positionieren und in den Körper einzubauen. |
Zwei- und dreidimensionale Darstellung
Wird die Funktion "Zwei-Fenster" aufgerufen, teilt sich der Desktop und zusätzlich zur 3D-Ansicht erscheint der Körper zweidimensional in einer 3-Seiten-Ansicht. Jede Veränderung am Körper wird sofort in beiden Ansichten angezeigt. Zu jedem Zeitpunkt der Bearbeitung kann die "Drehbutton-Leiste" aufgerufen und der Körper per Mausklick in verschiedene Richtungen gedreht werden. Mit dem Befehl "Animation erstellen" können kleine Filmsequenzen produziert werden, die den Körper in Bewegung zeigen.
Übungstypen
Mit den im Programm bereits enthaltenen oder selbst erstellten Körpern können sieben verschiedene Typen von Übungen durchgeführt werden:
 | Konstruiere den Körper nach der vorgegebenen 3-Seiten-Ansicht. Der Körper entsteht dreidimensional im vorgegebenen Koordinatensystem. |
 | Baue den dreidimensional abgebildeten Körper nach. |
 | Wie viele Würfel fehlen zum vollen Quadrat? (Methode: Abzählen und das Ergebnis über die Tastatur eingeben) |
 | Drehe den Körper in die gleiche Lage.
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 | Wie viele Würfel werden benötigt, um einen dargestellten Körper zu konstruieren? (Variante der Übung 3 – die Anzahl der Würfel kann mit Hilfe eines auf dem Bildschirm abgebildeten Taschenrechners ermittelt werden) |
 | Der Körper soll nach der im rechten Fenster vorgegebenen Draufsicht nachgebaut werden (die Größe der aus Würfeln bestehenden Säulen ist angegeben) |
Eine differenzierte Lernerfolgskontrolle erfolgt direkt bei jeder Übung über den Button "Übung kontrollieren." Das Programm meldet zum Beispiel: "Es sind zwei Würfel richtig gesetzt, aber drei Würfel sind nicht richtig gesetzt."
Navigation
Das Programm ist sehr einfach zu bedienen, und die Grundfunktionen sind nach entsprechender Einführung auch für lernschwächere Jugendliche einfach anzuwenden. Der übersichtlich gestaltete Desktop motiviert, gleich "loszubauen". Die Jugendlichen können kreativ sein und ausprobieren. Sollten sie dennoch nicht weiterkommen, können sie über die F1-Taste ein umfangreiches Hilfe-Menü aufrufen. Die Nutzerführung erfolgt einerseits über ein kleines Pull-down-Menü am oberen Bildschirmrand, für die Jugendlichen ist aber ein grafisches Auswahlmenü am unteren Bildschirmrand ansprechender. Viele der dort abgebildeten Symbole sind selbsterklärend, der Button, der zu den Übungen führt, ist es leider nicht. Wenn die Jugendlichen diesen anklicken, wechselt das grafische Menü und es erscheinen Buttons, die die Zahlen eins bis sieben tragen. Noch weiß man nicht, dass es Übungen sind. Erst wenn einer dieser sieben Buttons gedrückt und ein Beispielkörper auswählt wird, wird der Übungstyp benannt. Hier wäre es sicher für die Jugendlichen motivierender Hinweise zu bekommen, dass sie sich im Übungsbereich befinden und welcher der nummerierten Buttons zu welchem Übungstyp führt.
Einsatzmöglichkeiten
Mit dem Lernprogramm und den ergänzenden Materialien kann die Lehrkraft in die Dreidimensionalität einführen. Die Jugendlichen können aber auch individuell oder in der Kleingruppe mit der Lernsoftware arbeiten. Begleitend zur Arbeit am PC können die Jugendlichen die Körper auch selbst zeichnen. Bei manchen Jugendlichen empfiehlt es sich, zusätzlich haptische Körper mit Holzwürfeln zu bauen, um räumliche Orientierung begreifbar zu machen. Dies kann unter Zuhilfenahme der auf den Karteikarten dargestellten Körper erfolgen. Da das Anforderungsniveau der einzelnen Karteikarten-Sätze unterschiedlich ist, sollte die Lehrkraft eine didaktische Auswahl treffen und dabei den Leistungsstand der Jugendlichen berücksichtigen. Somit wird binnendifferenziertes Arbeiten in der Lerngruppe möglich.
Testversion
 | www.bauwas.de Unter dieser URL kann eine Test-Version, die das vollständige Programm enthält, heruntergeladen werden. Diese Version darf zwar im Unterricht verwendet werden, allerdings muss man dann alle 15 Minuten mit einer freundlichen Erinnerung rechnen. Die Testversion darf auch von den Jugendlichen zuhause verwendet werden. |
Kurzinformation
| Titel | BAUWAS |
| Herausgeber | MACH MIT: Multimediale Bildung e.V., c/o Marianne Handke, Trachenbergring 8, 12249 Berlin |
| Bestellmöglichkeit | Online-Bestellformular |
| Preis | für eine Schullizenz mit 100 Seiten umfassendem Handbuch: 60 Euro |
| Technische Voraussetzungen | Windows 2000, ME, XP, (aber nicht Vista!), 4 MB RAM, Festplatte mit 2 MB freiem Platz, VGA-Grafikkarte (Auflösung 800x600 oder 640x480), Maus. |
Fazit
Das Programm ist empfehlenswert. Es ist gut aufgebaut, nutzerfreundlich und leicht zu erschließen, wenn auch das ansonsten hilfreiche Handbuch überarbeitungsbedürftig ist. Die kleinen Kritikpunkte sollen den positiven Gesamteindruck nicht schmälern.
Der Autor
Wolfgang Schmitt-Kölzer ist Lehrer und Erwachsenenbildner und seit 1987 in der außerschulischen beruflichen Bildung in Wittlich (Rheinland-Pfalz) tätig.