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06.01.2016 | PM OECD Centre Berlin

OECD-Studie: Bildungssystem und Integration von Flüchtlingen

Die große Zahl an Flüchtlingen, die derzeit nach Europa kommen, stellt auch die Bildungssysteme vor große Herausforderungen. Was muss getan werden, damit das Schulsystem möglichst effektiv zu einer schnellen Integration der Migranten beitragen kann? Welche Konzepte haben in der Vergangenheit Integration erleichtert, welche Ansätze haben sich als Fehlschlag erwiesen?

Diesen Fragen geht eine neue OECD-Studie nach, die verfügbare Informationen zum Bildungserfolg von Migration zusammenträgt und Handlungsempfehlungen zur erfolgreichen Integration durch Bildung gibt.

Die Studie "Immigrant Students at School: Easing the Journey towards Integration" kommt auf Basis von PISA-Daten zum Ergebnis, dass vor allem eine Konzentration von Migranten in Schulen, die bereits mit sozialen Problemen zu kämpfen haben, einer erfolgreichen Integration im Wege stehen kann. So hat die Konzentration von Schülerinnen und Schülern aus schwierigen sozialen und ökonomischen Verhältnissen einen stärkeren Einfluss auf die Leistungen aller Schüler an solchen Schulen, als ein hoher Anteil an Schülern mit Migrationshintergrund.

Junge Migranten sind meist sehr motiviert (in vielen Fällen sogar stärker motiviert als Schülerinnen und Schüler ohne Migrationshintergrund), wenn es um gute Bildung geht. Die Schulsysteme sind allerdings nicht im gleichen Maße erfolgreich, diese hohe Motivation in Bildungserfolg umzumünzen. So fühlen sich Migranten erster Generation in Belgien, Luxemburg oder Portugal weit schlechter in der Schule aufgehoben als etwa in Kanada oder Finnland. Auch bei den Bildungsergebnissen sind die Unterschiede zwischen den Schulsystemen groß und dies auch dann wenn man den Erfolg von Migranten aus einzelnen Herkunftsregionen (z.B. Türkei oder arabische Länder) vergleicht.

Am Beispiel Deutschland zeigt die Studie, dass sich gute Reformen im Bildungssystem auch bei der Integration von Migranten auszahlen. So hat sich in Deutschland in weniger als einem Jahrzehnt die Leistung von Migranten zweiter Generation um 46 PISA Punkte verbessert, ein Leistungssprung von mehr als einer Klassenstufe. Der Bericht gibt eine Reihe von Handlungsempfehlungen, um Migrantenkindern die Integration zu erleichtern:

 

Kurzfristige Maßnahmen

  • Gezielte Sprachförderung parallel zur schnellen Integration in reguläre Klassen. Unterricht von Migranten in separaten Klassen sollte nach Möglichkeit vermieden werden.
  • Migranten sollten dazu ermuntert werden, ihre Kinder möglichst rasch in qualitativ hochwertigen Einrichtungen der frühkindlichen Bildung anzumelden.
  • Alle Schulen sollten in die Lage versetzt werden, Migranten aufzunehmen.

Mittelfristige Maßnahmen mit großem Effekt

  • Schüler mit Migrationshintergrund sollten nicht an benachteiligten Schulen konzentriert werden.
  • Schüler sollten gemischt und nicht nach Leistungsniveau getrennt unterrichtet werden. Frühe Aufteilung auf verschiedene Schulzweige und Klassenwiederholung sollte vermieden werden.
  • Eltern vom Migrantenkindern sollten zusätzlich unterstützt werden

Maßnahmen zur Stärkung von Integration

  • Innovation unterstützen und evaluieren. Finanzielle Mittel auf erfolgreiche Projekte konzentrieren.
  • Den Wert kultureller Vielfalt anerkennen.

Bildnachweis: © picsfive/Fotolia

 
 
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